Franziska Winkler: Die Berliner Kuratorin, die Gebärdensprachpoesie neu definiert
In der zeitgenössischen deutschen Literaturszene gibt es nur wenige Persönlichkeiten, die so konsequent neue Wege gehen wie Franziska Winkler. Als Autorin, literarische Kuratorin und Kulturvermittlerin hat sie sich insbesondere durch ihr Engagement für Gebärdensprachpoesie und barrierefreie Literatur einen Namen gemacht. Ihr Wirken verbindet künstlerische Innovation mit gesellschaftlicher Relevanz und öffnet die Literatur für neue Ausdrucksformen jenseits traditioneller Schriftlichkeit.
Wer ist Franziska Winkler?
Franziska Winkler ist eine in Berlin lebende Literaturkuratorin und Herausgeberin, die sich auf inklusive Literaturformate und die Sichtbarmachung von Gebärdensprache als künstlerisches Medium spezialisiert hat. Ihr berufliches Profil bewegt sich an der Schnittstelle von Literatur, Performance und kultureller Vermittlung.
Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Arbeit an Projekten, die die Zusammenarbeit zwischen gehörlosen und hörenden Kunstschaffenden fördern. Dabei verfolgt sie konsequent das Ziel, Gebärdensprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als eigenständige poetische Ausdrucksform zu etablieren.
Frühe Einflüsse und beruflicher Hintergrund
Über die frühen Lebensstationen von Franziska Winkler ist öffentlich nur begrenzt dokumentiert, doch ihr beruflicher Weg zeigt eine klare Fokussierung auf Literaturvermittlung und kulturelle Projektarbeit. Ihre Tätigkeit als Kuratorin und Organisatorin weist auf eine fundierte literarische und kulturwissenschaftliche Ausbildung hin.
Schon früh entwickelte sie ein Interesse an inklusiven Kulturformaten. Während viele Literaturprojekte sich weiterhin primär auf geschriebene oder gesprochene Sprache konzentrieren, erkannte sie das kreative Potenzial visueller Sprachen — insbesondere der Deutschen Gebärdensprache (DGS).
Diese Perspektive sollte später zum Kern ihres künstlerischen und kuratorischen Schaffens werden.
Das Projekt „handverlesen“
Ursprung und Idee
Ein Meilenstein in der Karriere von Franziska Winkler ist die Mitbegründung der Literaturinitiative handverlesen im Jahr 2017. Gemeinsam mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern entwickelte sie ein Projekt, das die Grenzen traditioneller Literatur bewusst überschreitet.
Das zentrale Anliegen von handverlesen besteht darin:
- Gebärdensprachpoesie sichtbar zu machen
- Kooperationen zwischen gehörlosen und hörenden Künstlern zu fördern
- neue Formen literarischer Präsentation zu entwickeln
- Barrieren im Kulturbetrieb abzubauen
Die Initiative versteht sich nicht nur als kuratorisches Projekt, sondern als kulturelle Bewegung innerhalb der deutschsprachigen Literaturlandschaft.
Warum Gebärdensprachpoesie?
Ein wesentlicher Beitrag von Franziska Winkler liegt darin, Gebärdensprache als eigenständige Kunstform ernst zu nehmen. Gebärdensprachpoesie unterscheidet sich fundamental von schriftlicher Lyrik:
- Sie ist räumlich
- sie ist körperlich
- sie ist visuell-performativ
- sie folgt eigenen poetischen Regeln
Durch ihre kuratorische Arbeit hat Franziska Winkler dazu beigetragen, das Bewusstsein für diese Besonderheiten in der literarischen Öffentlichkeit zu schärfen.
Die Anthologie „handverlesen – Gebärdensprachpoesie in Lautsprache“
Ein Meilenstein der inklusiven Literatur
Im Jahr 2023 erschien die von Franziska Winkler herausgegebene Anthologie „handverlesen – Gebärdensprachpoesie in Lautsprache“ im Verlag hochroth München. Dieses Werk gilt als wegweisend, weil es erstmals Gebärdensprachpoesie systematisch in schriftsprachlicher Form zugänglich macht.
Das Buch verfolgt einen innovativen Ansatz:
- Gedichte in Deutscher Gebärdensprache
- schriftliche Übertragungen ins Deutsche
- multimediale Erweiterungen
- interdisziplinäre Perspektiven
Damit wurde ein Format geschaffen, das sowohl für gehörlose als auch für hörende Leserinnen und Leser zugänglich ist.
Augmented Reality als Brücke
Besonders innovativ ist die Einbindung von Augmented-Reality-Elementen. Leser können über mobile Geräte Video-Performances der Gedichte abrufen. Dadurch bleibt die körperliche Dimension der Gebärdensprachpoesie erhalten.
Dieser Ansatz zeigt deutlich die kuratorische Handschrift von Franziska Winkler: Literatur wird hier nicht als statisches Produkt verstanden, sondern als lebendiger, multidimensionaler Prozess.
Künstlerische Residenzen und Förderungen
Die kulturelle Bedeutung von Franziska Winkler wird auch durch ihre Einladungen zu renommierten Programmen unterstrichen.
Burg Hülshoff – Center for Literature
Als Artist-in-Residence am Burg Hülshoff Center for Literature konnte sie ihre Arbeit im Austausch mit anderen Literatur- und Kunstschaffenden weiterentwickeln. Diese Residenz gilt als wichtige Plattform für innovative Literaturprojekte in Deutschland.
Während ihres Aufenthalts arbeitete sie insbesondere an Fragen der literarischen Zugänglichkeit und an neuen Präsentationsformen für performative Poesie.
Stiftung Künstlerdorf Schöppingen
Für das Jahr 2024 wurde Franziska Winkler als Stipendiatin in das Künstlerdorf Schöppingen eingeladen. Diese Förderung erhalten nur ausgewählte Kunstschaffende mit besonderem Innovationspotenzial.
Die Aufnahme in dieses Programm bestätigt ihre wachsende Bedeutung innerhalb der deutschen Kulturszene.
Arbeitsweise und kuratorische Haltung
Interdisziplinärer Ansatz
Ein zentrales Merkmal der Arbeit von Franziska Winkler ist ihre interdisziplinäre Denkweise. Sie bewegt sich bewusst zwischen verschiedenen Feldern:
- Literatur
- Performance
- Übersetzung
- Kulturvermittlung
- Inklusionsarbeit
Diese Offenheit ermöglicht Projekte, die klassische Genregrenzen überschreiten.
Zusammenarbeit statt Einzelautorenschaft
Im Gegensatz zu traditionellen literarischen Karrieremodellen setzt Franziska Winkler stark auf kollaborative Prozesse. Viele ihrer Projekte entstehen im Austausch mit:
- gehörlosen Dichterinnen und Dichtern
- Übersetzerinnen
- Performerinnen
- Kulturinstitutionen
Diese Arbeitsweise spiegelt ein modernes Verständnis von Autorschaft wider, das stärker auf Netzwerke als auf Einzelgenies setzt.
Bedeutung für die deutsche Literaturlandschaft
Die Arbeit von Franziska Winkler ist Teil eines größeren kulturellen Wandels. Immer mehr Institutionen erkennen, dass Literatur vielfältiger gedacht werden muss.
Neue Perspektiven auf Literatur
Durch ihre Projekte werden grundlegende Fragen aufgeworfen:
- Was gilt als Literatur?
- Welche Rolle spielt der Körper im poetischen Ausdruck?
- Wie können kulturelle Räume inklusiver werden?
- Welche Formen der Übersetzung sind möglich?
Indem sie diese Fragen praktisch bearbeitet, trägt Franziska Winkler zur Weiterentwicklung des Literaturbegriffs bei.
Impulse für Inklusion
Darüber hinaus hat ihre Arbeit eine klare gesellschaftspolitische Dimension. Sie zeigt, dass kulturelle Teilhabe nicht nur ein Schlagwort ist, sondern konkret gestaltet werden kann.
Ihre Projekte:
- erhöhen die Sichtbarkeit gehörloser Kunstschaffender
- fördern barrierefreie Kulturformate
- sensibilisieren Institutionen für inklusive Praxis
- erweitern das Publikum literarischer Veranstaltungen
Digitale Präsenz und Öffentlichkeit
Neben ihrer kuratorischen Arbeit ist Franziska Winkler auch digital präsent. Über soziale Medien gibt sie Einblicke in laufende Projekte, Veranstaltungen und Kooperationen.
Diese Online-Kommunikation erfüllt mehrere Funktionen:
- Dokumentation ihrer Arbeit
- Vernetzung mit der Kulturszene
- Vermittlung komplexer Themen
- niedrigschwelliger Zugang für Interessierte
Gerade im Bereich der performativen Literatur spielt diese Sichtbarkeit eine wichtige Rolle.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Trotz wachsender Aufmerksamkeit steht die Gebärdensprachpoesie weiterhin vor strukturellen Herausforderungen.
Offene Fragen im Literaturbetrieb
Dazu gehören unter anderem:
- begrenzte institutionelle Förderstrukturen
- fehlende Standardisierungen bei Übersetzungen
- geringe mediale Präsenz
- Bedarf an barrierefreien Veranstaltungsformaten
Die Arbeit von Franziska Winkler zeigt jedoch, dass sich diese Hürden durch innovative kuratorische Konzepte überwinden lassen.
Wohin entwickelt sich ihre Arbeit?
Beobachter der Szene gehen davon aus, dass Franziska Winkler auch künftig eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung inklusiver Literaturformate spielen wird. Mögliche zukünftige Schwerpunkte könnten sein:
- stärkere internationale Vernetzung
- Ausbau digitaler Literaturformate
- neue kollaborative Performanceprojekte
- institutionelle Beratungsarbeit
FAQs
Was macht Franziska Winkler beruflich?
Franziska Winkler arbeitet als literarische Kuratorin, Herausgeberin und Kulturorganisatorin mit Schwerpunkt auf Gebärdensprachpoesie und inklusiver Literatur.
Wofür ist sie besonders bekannt?
Sie ist vor allem für die Initiative „handverlesen“ und die gleichnamige Anthologie zur Gebärdensprachpoesie bekannt.
Wo lebt und arbeitet sie?
Franziska Winkler lebt und arbeitet in Berlin und ist dort in der freien Literaturszene aktiv.
Warum ist ihre Arbeit wichtig?
Ihre Projekte machen Gebärdensprache als künstlerisches Medium sichtbar und fördern die Zusammenarbeit zwischen gehörlosen und hörenden Kunstschaffenden.
Ist sie auch international tätig?
Ihr Fokus liegt derzeit vor allem im deutschsprachigen Raum, doch ihre Themen haben klare internationale Relevanz.
Fazit
Franziska Winkler gehört zu den spannendsten Stimmen der gegenwärtigen Literaturvermittlung in Deutschland. Mit ihrem konsequent inklusiven Ansatz erweitert sie nicht nur die ästhetischen Möglichkeiten der Poesie, sondern stellt auch grundlegende Fragen nach Zugänglichkeit, Teilhabe und kultureller Vielfalt.



